Stena Stories - Sonnenuntergang von der Stena Germanica aus

Das Grüne Leuchten

50 Jahre Kiel-Göteborg | 1 Kommentar

Jeder mag sie – Sonnenuntergänge. Susanne B. beschreibt herrlich unterhaltsam wie schön ein solcher Sonnenuntergang vom Deck aus zu beobachten ist. Ihr erfahrt außerdem, was das Grüne Leuchten ist.

Warten auf eine sagenumwobene Himmelserscheinung.

Es ist ein warmer Sommerabend am 19. August 2016. Meine Tochter und ich stehen auf dem höchsten Außendeck der Stena Germanica und lassen den Blick ins Unendliche schweifen. Das Schiff hat gerade den Schärengürtel vor Göteborg verlassen und Kurs auf unseren Heimathafen Kiel genommen.

Die Wasseroberfläche glitzert wie bestellt, die Stimmung der vielen Menschen um uns herum ist entspannt, und der Fahrtwind streicht lau über unsere Haut. Eigentlich ist alles perfekt. Dennoch verteidigen wir unseren Logenplatz an der Reling nicht nur, um uns gleich dem kollektiven Sonnenuntergangsfotografierzwang zu unterwerfen. Nein, wir beide warten auf etwas ganz Besonderes. Etwas, das man nur in seltenen Ausnahmesituationen einmal beobachten kann. Bei außergewöhnlich klarer Fernsicht, so wie heute Abend. Und das auch nur, wenn man obendrein noch richtig viel Glück hat.

Falsch geraten, es handelt sich nicht um Schweinswale.

Wir beide warten auf das geheimnisvolle „Grüne Leuchten“.

Was das ist? Das Grüne Leuchten, auch Grüner Blitz genannt, ist ein Naturphänomen, das man hin und wieder bei einem Sonnenuntergang erblicken kann. Im allerletzten Moment, bevor die Sonnenscheibe vollkommen im Meer versinkt, blitzt an ihrem oberen Rand manchmal noch ein grüner Lichtschein auf. Es ist so kurz wie ein Augenzwinkern.

Die Erscheinung gibt es wirklich, und sie wurde auch schon fotografiert. Der Regisseur Eric Rohmer hat sie sogar als Höhepunkt in einen seiner Spielfilme eingebaut.

Auf dieses Leuchten warten meine Tochter und ich. Nur aus diesem Grund stehen wir uns hier oben seit über einer Stunde die Beine in den Bauch und lassen das Abendessen warten.

Endlich ist es soweit. Das große Finale steht kurz bevor, es kann sich nur noch um ein paar Minuten handeln. Rechts und links von uns werden Kameras und Smartphones in Position gebracht. Die meisten Gespräche verstummen, und es wird auf einmal unwirklich still an Deck. Alle blicken auf das Meer. Der Sonnenball scheint seine letzten Kräfte zu sammeln, um uns zum Abschied noch ein furioses Lichtspektakel über die Wellen zu schicken.

Wir warten und hoffen. Ob wir die Erscheinung wohl sehen werden? Günstiger kann die Gelegenheit nicht sein.

Neben dem Schiffsrumpf taucht im Wasser ein riesiger Schwarm roter Feuerquallen auf.
Drei kreischende Möwen schießen aus dem Nichts vorüber.
Lila schimmernde Wolkenfetzen schweben herbei und sorgen für einen dramatischen Rahmen.
Einen Atemzug später ist es soweit: Unser Himmelsstern küsst den Horizont. Plötzlich geht alles ganz schnell. Die Sonne entschwindet so eilig, als wäre ihr gerade eine wichtige Verabredung auf der anderen Seite der Erde eingefallen.
Ihr letzter funkelnder Lichtfleck umhüllt uns mit Goldstaub.
Ich halte den Atem an.
Gleich … jetzt!
War da ein Grün?
Oder war es Gold?
Keine Ahnung. Ich weiß nur, es war ein Zauber.

Hat euch diese Geschichte inspiriert? Dann schickt uns noch bis zum 31.3.2017 euer schönstes Reiseerlebnis: www.Stena-Stories.com/de

Karla Banitz

  • Gunnar says:

    Sooo super, diese kleine Story, und so wunderbar beschrieben!

    Ich selber fahre privat auch relativ oft und gern auf der Linie Göteborg – Kiel und zurück, schon seit 1989. Damals waren die Vorgänger-Schiffe der jetzigen Stena Germanica und der Stena Scandinavica sogar noch brandneu. Sonnenuntergänge habe ich auf mehr als 50 Reisen so einige gesehen. Aber: Ich wusste nicht mal, dass es den grünen Blitz überhaupt gibt.
    Eins weiß ich jedoch sehr genau: Beim nächsten passenden Sonnenuntergang werde ich sicherlich auch dort oben stehen und warten.

Eine Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.