Stena Germanica Goes Green

2015-02-04 | Für Schiffsinsider | Keine Kommentare

Unser Fährschiff Stena Germanica ist gerade in der Remontowa Schiffswerft in Gdansk angekommen, wo die Umrüstung auf Methanolbetrieb erfolgt. Sie wird weltweit die erste Fähre ihrer Größe sein, die mit diesem umweltfreundlicheren Treibstoff fahren wird. Wir haben den Schiffsenthusiasten und Blogger Henrik Forsman gebeten, über die Zeit vor, während und nach dem Umbau zu berichten. Hier lest ihr den ersten Teil seines Berichts über die Geschichte der Stena Germanica.

Die Stena Germanica, eines der zwei Fährschiffe auf der Route Kiel-Göteborg, wird im ersten Quartal 2015 als das erste Schiff der Stena Line-Flotte auf umweltschonenden Methanolbetrieb umgerüstet. Für die ungefähr zwei Monate dauernden Umbauarbeiten ist sie gerade in Polens größter Schiffsreparaturwerft Remontowa angekommen.

Wir werden der Stena Germanica während dieser Zeit folgen und über den Umbau berichten. Doch zunächst hier ein kurzer Rückblick auf die Geschichte des Schiffes: Die Stena Germanica wurde in der spanischen Werft Astilleros Espanoles (AESA) in Puerto Real gebaut und ab März 2001 auf der Route zwischen Hoek van Holland und Harwich eingesetzt. Sie war die letzte der vier Schwestern in der sogenannten Stena Seapacer Serie und trug damals den Namen Stena Hollandica. Zusammen mit ihrem identischen Schwesterschiff Stena Britannica erfüllte sie die Anforderungen an den RoPax-Verkehr zwischen Holland und England.

Doch was bedeutet eigentlich RoPax? Bei diesen sogenannten RoRo-Schiffen (Roll-on, Roll-off) liegt der Schwerpunkt auf einer großen Ladekapazität für Fahrzeuge und einer geringeren Kapazität für Passagiere. Dies war eine natürliche Entwicklung, nachdem die Jumbo-Fähren aus den 80er Jahren dem erhöhten Transportbedarf nicht mehr gerecht wurden.

Das Verkehrsvolumen nahm immer mehr zu und bereits im Jahr 2003 wurde die Stena Britannica von einem größeren Schiff mit dem gleichen Namen ersetzt. Damit wurde die Kapazität erhöht, vor allem für den Transport in westlicher Richtung, also nach England. Fast genau vier Jahre später, im Frühjahr 2007, wurden beide Schiffe um neue Mittelsektionen erweitert.

Für die kleinere Stena Hollandica bedeutete dies, dass die Kapazität von 2900 auf 4000 Lademeter und von 400 bis 900 Passagiere gesteigert wurde. Zur gleichen Zeit wurden alle Passagierkabinen und öffentlichen Räume nach einem Konzept von Figura Architects Göteborg komplett renoviert. Die neue Mittelsektion über 50 Meter lang und wurde in der deutschen Schichau Seebeckswerft (SSW) in Bremerhaven gebaut. Der Einbau wurde dann bei einer anderen großen deutschen Werft, der Lloyd Werft Bremerhaven, durchgeführt.

Die Technikbegeisterten unter euch interessieren sich vielleicht für die Details: Die Stena Hollandica erhielt ein zusätzliches Strahlruder und neue sogenannte “Becker Ruder”, um die Manövrierfähigkeit zu erhöhen. Um dem wachsenden Strombedarf gerecht zu werden, wurden zwei zusätzliche Maschinen mit Generatoren installiert. Mit einer Länge von 240 m gehörten die beiden Schiffe nach Umbau und Renovierung zu den weltweit größten ihrer Art und erfüllten die gewünschten Kapazitätsanforderungen.
Doch der Transportbedarf auf der Hoek-Harwich Route nahm weiter zu und so bestellte Stena Line im Jahr 2010 zwei neue Schiffe, die tatsächlich noch größer sein sollten. Die Stena Hollandica und Stena Britannica wurden somit verfügbar und konnten für den Betrieb auf der Route Kiel-Göteborg angepasst werden. Zur gleichen Zeit stellte Stena Line die Frachtroute Travemünde-Göteborg ein, da jetzt zwei große Schiffe die vier kleineren ersetzten, was sich wiederum positiv auf Stena Lines langfristige Maßnahmen zur Umweltentlastung auswirkte.

Im Frühjahr 2010 war die Stena Hollandica drei Monate in der Remontowa Werft in Gdansk zu einer erneuten umfassenden Renovierung. Dieses Mal wurden vor allem neue Kabinen eingebaut, um die Gesamtkapazität von 900 auf heute 1.300 Passagiere zu erhöhen. Unter anderem entstanden auch einige Kabinen mit Jacuzzi und privater Veranda, um den Reisenden echten Luxus an Bord anbieten zu können.
Nach der Fertigstellung Ende August 2010 trat das jetzige Themenschiff seinen Dienst auf der Kiel-Göteborg-Route unter dem Namen Stena Germanica III an. In der Tat ist die aktuelle Stena Germanica eigentlich schon das dritte Schiff mit diesem Namen!

Die beiden Vorgänger wurden in den Jahren 1967 und 1987 erbaut, aber das ist eine andere Geschichte. Der Grund für die römischen Ziffern nach dem Namen war, dass die ehemalige Stena Germanica im schwedischen Schiffsregister verblieb und laut einem Gesetz aus den 70er Jahren kann nur ein Schiff mit einem bestimmten Namen zur selben Zeit registriert sein.

Die Stena Germanica III verlor ihre römischen Ziffern im September 2010 und fährt seitdem zuverlässig und sicher von Kiel nach Göteborg und wieder zurück, unterbrochen von einigen kleineren Werftaufenthalten für regelmäßige Wartungsarbeiten. Jeden Abend kann man am Majnabbe Terminal in Göteborg das beeindruckende Manöver mitverfolgen, wie sie dreht, um Kurs auf Deutschland zu setzen.
Das Schiff wird von vier Achtzylinder-Wärtsilä-Sulzern, so genannten Lap-Maschinen, angetrieben. Diese sind über Untersetzungsgetriebe paarweise mit den beiden Antriebswellen verbunden. Die Maschinen werden während des jetzigen Umbaus an den Methanolbetrieb angepasst. Aber wie versprochen, werden wir der Stena Germanica folgen und Euch wissen lassen, wie es vorangeht! / Henrik.

Wir hoffen, ihr findet die Stena Germanica –Umrüstung auf den umweltschonenden Methanol-Betrieb genauso spannend wie wir. Verfolgt alle aktuellen Informationen dazu hier im Blog und zögert nicht, als Kommentar eure Fragen an Henrik zu stellen. Hier ist Henriks Blog: The Motor Vessel

Karla Banitz

ist Produktmanagerin. Sie kennt sich gut in Skandinavien aus und berichtet hier über Sehens- und Wissenswertes rund um Stena Line und Reiseziele. Sie freut sich über Fragen und Kommentare.

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