M/S ÖSTERSÖEN – die erste Stena Line Fähre

2015-03-13 | Für Schiffsinsider | Keine Kommentare

Dieser Beitrag gehört zu unserer Serie über unsere Unternehmensgeschichte. Hier erfahrt ihr Wissenswertes und Interessantes über unsere erste Fähre: die ÖSTERSÖEN. Viel Spaß beim Lesen!

Technische Daten
Geliefert im Mai 1954 von Burmeister & Wain in Kopenhagen (nb 727)
Schiffsrumpf gebaut von AS Svendborg Vaerft, Svendborg (nb 67)
Verlängerung 1960 von Burmeister & Wain in Kopenhagen (siehe nachfolgende Angaben)
Länge: 60,7 m
Breite: 10,5 m
Bruttotonnage: 1388 BRT
Passagiere: 700
Kabinenplätze: 48
Lastwagen: 0
Personenkraftwagen (PKw): 50
Geschichte
Das erste Fährschiff der Skagenlinjen war die kleine, gecharterte dänische Fähre ÖSTERSÖEN, die 1954 im Auftrag der Dampskibsselskabet af 1866 paa Bornholm (kurz ”66-bolaget”) (Dampfschifffahrtsgesellschaft Bornholm von 1866) für den Sommerverkehr der Reederei zwischen Simrishamn und Allinge gebaut worden war. Dies war die kürzeste Route zwischen Schweden und Bornholm. 66-bolaget erhielt den Linienverkehr unter anderem deshalb aufrecht, um die Konkurrenz, die andernfalls das Monopol im profitablen Sommerverkehr innegehabt hätte, auf Abstand zu halten. Dies sollte die Rentabilität der Linie Ystad-Rönne zunichtemachen. Außerhalb der Sommersaison konnte die ÖSTERSÖEN als zusätzliche Fähre die Linie zwischen Kopenhagen und Rönne bedienen oder an Land liegen. Außerdem vercharterte man sie an unterschiedliche Reedereien.

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Die Hafeneinfahrt von Allinge war sehr eng, weshalb die ÖSTERSÖN ursprünglich 7 m kürzer war als die oben genanten 60,7 m. Die Fähre war 1960 verlängert worden. Man hatte die ÖSTERSÖEN im vorderen Teil des Schiffsrumpfs mit Seitenluken ausgestattet, durch die die Autos leichter an Bord fahren konnten. Mit dieser Konstruktion hatte die Reederei 66-bolaget in den 1930er-Jahren den Schiffsbau revolutioniert. Das Autodeck nahm fast die gesamte Schiffslänge ein, was für den Linienverkehr der Skagenlinjen von großem Vorteil war, da das Autodeck als Aufenthaltsbereich für die Passagiere genutzt werden konnte.

Die Räume auf der ÖSTERSÖEN, die für Passagiere zugänglich waren, waren der Speisesaal, der Balkon und der Rauchersalon. Die Schiffe der Reederei 66-bolaget gewährleisteten einen guten Standard und die ÖSTERSÖEN wartete mit einer äußerst angenehmen und gepflegten Umgebung auf.

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Die Konstruktion der ÖSTERSÖEN erinnerte in vielerlei Hinsicht an die KRONPRINSESSAN INGRID der Sessanlinjen aus dem Jahr 1936, die als Pionier-Fahrzeug der Route Göteborg-Frederikshavn gilt. Das dänische Fährschiff war jedoch ungefähr 12 m kürzer und hatte einen deutlich geringeren Tiefgang. Die See war in diesen Gewässern unbarmherzig und die Fähre war unermüdlich zwischen Schweden und Bornholm im Einsatz, als Charterfahrzeug der Skagenlinjen sogar im nördlichen Kattegat. Die Überfahrt mit solchen kleinen Schiffen war damals ein kleines Abenteuer, was die Passagiere der damaligen Zeit jedoch nicht davon abhielt, die Strecken frequent zu nutzen.

Letzten Endes war die ÖSTERSÖN jedoch nur kurz als Charterfahrzeug für die Skagenlinjen unterwegs, genauer gesagt vom 20. Dezember 1962 bis zum 10. Februar 1963. Danach wurde sie wieder in den regulären Verkehr der Reederei 66-bolaget eingebunden. 1973 wurde die ÖSTERSÖEN an eine auf Zypern ansässige Reederei verkauft und segelte mehrere Jahre als ROANA auf dem Adriatischen Meer zwischen Otranto, Korfu und Igoumenitsa. 1993 gelangte sie auf Zypern in andere Hände, daraufhin verschlug es sie nach Albanien. Eine Saison lang wurde die ROANA für Pilgerreisen auf dem Roten Meer verchartert. Dies sollte ihr letzter Einsatz sein. 1995 wurde die ROANA, nachdem Sie über ein Jahr auf dem Trockendock gelegen hatte, im italienischen Brindisi verschrottet. /Anders Bergenek und Rickard Sahlsten.
Noch einmal ein großes Dankeschön an Anders und Rickard, die sich die Zeit genommen haben, die Geschichte unseres ersten Fährschiffs zu recherchieren. Hinterlasst gerne einen Kommentar, wenn es etwas gibt, das ihr über unsere Fähren wissen möchtet. Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie es mit der Stena Line 1963 weiterging. /Ylva.

PS. Wenn ihr mehr aus der Feder der Herren Bergenek und Sahlsten lesen und mehr über die Geschichte der Stena Line erfahren möchtet, dann findet ihr hier das Buch der beiden auf Schwedisch Stena Line- Historien om ett rederi Rickard ist außerdem Vorsitzender des Yachtclubs Klubb Maritim Göteborg, der unser Archiv verwaltet.

Karla Banitz

ist Produktmanagerin. Sie kennt sich gut in Skandinavien aus und berichtet hier über Sehens- und Wissenswertes rund um Stena Line und Reiseziele. Sie freut sich über Fragen und Kommentare.

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