Die deutsche WAPPEN

2015-09-01 | Für Schiffsinsider | 1 Kommentar

Fakten zum Schiff
Geliefert am 24. Mai 1962 von Blohm & Voss in Hamburg
Länge: 104,02 m
Breite: 15,12 m
Brutto-Tonnage: 3819 BRT
Passagiere: 1700
Kabinenplätze: 21
LKWs: –
PKWs: –

Geschichte
Da wir über die STENA DANICA aus dem Jahr 1965 an dieser Stelle bereits berichtet haben, stellen wir als nächstes Schiff für das Jahr 1965 die deutsche WAPPEN vor, auch wenn Stena sie schon 1964 über die Stena Reederei GmbH in Kiel gekauft hatte.
Die WAPPEN VON HAMBURG wurde für die deutsche HADAG für den Schiffsverkehr zwischen Hamburg, Cuxhaven und der Insel Helgoland in der Nordsee gebaut. Sie ersetzte damals ein früheres Schiff mit demselben Namen. Mit ihr war ein beeindruckendes Schiff in den Besitz der Reederei übergegangen, das seinen Passagieren zahlreiche komfortable und gut ausgestattete Restaurants und Salons und sogar eine begrenzte Anzahl Kabinen bot.

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Die Meer- und die Seefahrt waren wichtige Bestandteile der norddeutschen Kultur. In den 50er- und 60er-Jahren waren Ausflüge mit den Passagierschiffen der HADAG nach Helgoland oder auf andere Nordseeinseln unheimlich populär, boten sie doch viele Gelegenheiten, sich zu amüsieren und zu baden. Die deutschen Passagierschiffe zeichneten sich durch ihre robuste Bauweise aus und waren für den Einsatz auf der oftmals rauen Nordsee perfekt geeignet.
Natürlich war die Nachfrage nach Reisen nach Helgoland während der Sommermonate am größten. In der Nebensaison sah sich die HADAG gezwungen, andere Einsatzgebiete für ihre Schiffe zu suchen. Im ersten Jahr setzte man die WAPPEN VON HAMBURG für Charterreisen in der Karibik zwischen Miami und Nassau auf den Bahamas ein. Die Kubakrise setzte diesem Unterfangen jedoch ein jähes Ende, und im Januar 1963 lag das Schiff bereits wieder in Hamburg vor Anker.
In der Wintersaison 1963-1964 charterte das schwedische Unternehmen Skagenlinjen die WAPPEN VON HAMBURG, welche sich zum Flaggschiff der Reederei auf der Route Göteborg – Frederikshavn entwickelte. Man machte so gute Erfahrungen, dass die Stena das Schiff im Oktober 1964 käuflich erwarb, nachdem es den ganzen Sommer lang wieder die Insel Helgoland angesteuert hatte. Von nun an verkehrte sie auf der etwas längeren Strecke Göteborg – Sandefjord.
Im April 1965 setzte man die WAPPEN auf der noch relativ neuen Route Stockholm – Mariehamn ein. Gegen Ende des Jahres beschloss der Stena-Konzern, sie für den Linienverkehr auf der Langstrecke Stockholm – Turku (schwedisch: Åbo) zu testen. Dort erwies sie sich als würdiger Konkurrent der traditionelleren Passagierdampfer, die unter der Flagge der Kooperationspartner „De Samseglandes” (Zusammenschluss der Reedereien Silja Line, Bore, FÅA und Svea) auf der Route verkehrten. In puncto Größe, Geschwindigkeit und Kapazität konnte sie sich durchaus mit ihnen messen. Stena entschied jedoch, keinen Linienverkehr zum finnischen Festland anzubieten und verkaufte die WAPPEN wieder an HADAG, die ihr großes Vorzeigeschiff HELGOLAND gerade für eine lange Charter dem Deutschen Roten Kreuz überlassen hatte. In der Zwischenzeit hatte die Reederei außerdem ein neues Schiff bauen lassen, das ebenfalls den Namen WAPPEN VON HAMBURG trug, sodass das ältere Schiff auf den Namen ALTE LIEBE umgetauft wurde.

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Die WAPPEN VON HAMBURG lief daraufhin wieder hauptsächlich Helgoland an, wurde aber gelegentlich auch auf anderen Routen eingesetzt, wie beispielsweise auf der Strecke Travemünde – Rödby. 1984 wurde sie an die Reederei Oltmann in Bremen verkauft. Dort bediente sie fortan unter dem Namen HELGOLAND den Linienverkehr zwischen Bremerhaven und Helgoland. In den kommenden Jahren sollte sie mehrfach den Besitzer wechseln, nahm aber weiterhin Kurs auf Helgoland, obwohl der Passagierverkehr auf die Nordseeinsel zunehmend an Lukrativität verlor.
Erst im Jahr 2005 verließ das zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alte Schiff die deutschen Gewässer und wurde an ein holländisches Unternehmen verkauft, das sie auf den Namen SUPPER CLUBCRUISE 02 taufte. Weitreichende Umbaumaßnahmen wurden durchgeführt und der Großteil der alten Einrichtung entfernt. Danach blieb sie zunächst im Hafen. Über die Türkei gelangte sie schließlich nach Israel, wo sie mehrere Jahre in Haifa auf dem Trockendock lag und zunehmend verfiel, bevor sie 2014 letztendlich in Aliaga in der Türkei unter dem Namen ORKA SULTAN verschrottet wurde.
Ihre Karriere bei der Stena Line war zwar nur von kurzer Dauer, aber die WAPPEN ist nichtsdestotrotz ein hervorragendes Beispiel für alle deutschen Ausflugsschiffe, die für Stena während der ersten Jahre im Einsatz waren, die HEIN GODENWIND, die GORCH FOCK, die WAPPEN VON HAMBURG und später auch die HELGOLAND.
Text: Anders Bergenek und Rickard Sahlsten

Karla Banitz

ist Produktmanagerin. Sie kennt sich gut in Skandinavien aus und berichtet hier über Sehens- und Wissenswertes rund um Stena Line und Reiseziele. Sie freut sich über Fragen und Kommentare.

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